Freund
Ein Streit bricht plötzlich grundlos ein,
Und ohne es zu merken,
Ist er gegangen, er ist weg,
Er ist in großer Ferne.
Und eines bloßen Missverständnisses wegen
Und ohne große Worte, trennen sich die Wege.
Gegangen. "Was soll's" - würd' manch' einer sagen.
Ein Freund geht - doch ich, ich kann sowas nicht haben !
Kein Schwamm drüber ! Nicht bloß scheiß' egal !
Und wenn es nicht mal schad', dann wars' der falsche Kamerad.
Hey, Mann, ich weiß noch, wie er und ich, wie wir zusammen standen,
Als alle anderen, je für sich, um ihr Leben rannten.
Ich weiß, als sie gegangen war, sagt' ich zu ihm:
"Wer war sie schon ? Vergiß' sie bloß. Weinen mach kein Sinn !"
Ich weiß, als sie zu fünft
So grimmig mich umschloßen,
Stand er mit mir Rück' an Rück:
"Sind bloß ein-paar Knochen."
Zusammen, zu zweit, da geht es sich
Viel leichter durch das Leben.
Doch was ist jetzt, wo geht er hin
Des Missverständnisses bloß wegen ?
Gegangen. "Was soll's" - würd' manch einer sagen;
Ein Freund geht - doch ich kann nicht,
Ich kann sowas nicht haben !
Hey ! Warte ! Hey ! Wart' auf mich !
Und bleibe doch mal stehen.
Laß uns doch sitzen, laß und doch
Das alles Mal bereden !
Wir sitzen. Und, oh sieh - der Streit,
War Fehler, Mißverständnis.
Die Ungeduld für ihn und mich -
Für uns - war ein Verhängnis.
Mit müdem aber festem Lächeln
Sagt er: "Hey, wo sind den hie' die Becher ?
Laß strömen ! Ach ja, was war denn das gewesen ?"
Ich sage ihm: "Ich weiß es nicht - ich habe es vergessen."
Hey, Männer ! Frauen ! Menschen ! Höhrt !
Und guckt euch um im Gehen.
Zusammen geht es leichter durch
Des einzeln Menschen leben !
Gegangen. "Tja, was soll's, soll weg" - würd' mancher vielleicht sagen.
Doch wir nicht, mit uns nicht so - das können WIR nicht haben !
Zu Ehren von Wladimir Wysotskij.
Comments
Post new comment